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News aus Haiti

Meldungen über Haiti von Pfr. Samuel Schmid


Mittwoch, 24. Februar:

Auch die letzten Stunden vor der Abreise sind reich befrachtet. Wir evaluieren Möglichkeiten zur Schulraumerweiterung in Marlique / Pétion-Ville. Weitere persönliche Kontakte mit Erdbebenopfern und solchen, die von uns Hilfe erhalten haben. Wir hören Einzelschicksale und versuchen Zukunftsperspektiven aufzuzeigen und zu ermöglichen.

Abschied von den Mitarbeitern und auch von der Bürgermeisterin von Pétion-Ville. Fahrt zum Flughafen. Dort wird uns eröffnet, dass der Flughafen Port-au-Prince nur für einige wenige Airlines freigegeben wurde - unsere ist nicht dabei. In kürzester Zeit gilt es, die Rückreise neu zu organisieren. Wir finden einen Flug nach Santo Domingo, von wo aus wir mit dem vorhandenen Ticket über New York und Paris nach Zürich fliegen. Unsere Reise dauert so einen ganzen Tag länger. Freunde haben von der Schweiz aus kurzfristig die Abholung am Flughafen und eine Übernachtung bei einem Pastorenehepaar in Santo Domingo organisiert. Wir werden am 26. in der Schweiz eintreffen. Mit unseren Gedanken und Gebeten bleiben wir bei den Notleidenden in Haiti. Bitte helft helfen!


Dienstag, 23. Februar:

Rückkehr von Port-au-Ciel nach Port-au-Prince. Wir fahren durch weitere Trümmergebiete der Hauptstadt. Praktisch alle öffentlichen Gebäude sind zerstört, liegen in Schutt. Wir besuchen einmal mehr das von der Zerstörung stark betroffene Quartier Bourdon und prüfen verschiedene Möglichkeiten, wie wir zum Wiederaufbau beitragen können. Begegnung mit Erdbebenopfern: Waisenkinder, ein Junge, der 4 Tage unter den Trümmern gelegen hatte.

Weiteres Treffen und Gespräch mit der Bürgermeisterin von Pétion-Ville. Danach besprechen wir mit unseren Hauptverantwortlichen vor Ort die nächsten Schritte zur Bewältigung der unlösbar erscheinenden Aufgaben.


Montag, 22. Februar:

Besuch in der FD-Schule in Port-au-Ciel, wo mittlerweile rund 700 Kinder unterrichtet werden. Nebst den regulär eingeschriebenen Schülern gehen auch Kinder, welche aus Port-au-Prince geflohen sind, in unsere Schule. Dies ist für sie eine wichtige Hilfe zur Überwindung der Erlebnisse. Ich besuche jede Klasse von Kindergarten und Primarschule und spreche mit den Kindern. Danach Gespräch mit allen Lehrpersonen dieser Schulstufen.

Die Schule in Grande Savanne mit über 200 Kindern kann nicht mehr weiter existieren. Der Schulleiter fragt an, ob wir die Schule übernehmen könnten. Wir besuchen die Schule, welche nur per Motorrad zu erreichen ist. Wir sprechen mit den Klassen.

Mittlerweile hat der Nachmittagsunterricht an der FD-Schule begonnen - Sekundarstufe. Wir besuchen auch hier alle Klassen und halten eine Lehrerkonferenz ab. Dann folgt ein Treffen mit dem Bürgermeister (Dorfchef) und anschliessend ein Treffen mit dem Chef der ganzen Region. Ich stelle unsere Arbeit vor und höre ihre Anliegen. Nach einem Kurzbesuch bei der Familie eines FD-Mitarbeiters und einer längeren Sitzung mit unseren Verantwortlichen vor Ort geht ein voller, aber sehr erfreulicher Tag zu Ende. FD-Hilfe ist nachhaltig und kommt an!


Sonntag, 21. Februar:

Gottesdienst in der Gemeinde, welche sich ganz in der Nähe der FD-Schule befindet. In Haiti ist die Gottesdienst-Dauer von vier Stunden üblich. Der Gottesdienst ist schon zu Ende, als eine Frau ganz bewusst ihr Leben Jesus Christus übergeben will. 

Treffen mit den Kirchenverantwortlichen. Verschiedene Begegnungen mit der Bevölkerung, ebenso mit einem Lehrer der FD-Schule, der als Kind selber in unsere Schule gegangen ist. Besuch typischer haitianischer Häuser. Gespräche mit den leitenden Mitarbeitern und dem Schuldirektor. 


Samstag, 20. Februar:

Flug mit einem Kleinflugzeug von Port-au-Prince nach Hinche. Aus der Luft ist das katastrophale Ausmass der Waldrodung und der Bodenerosion noch besser erkennbar. Wir landen in Hinche. Die Landebahn ist eine holprige Schotterpiste. Chavannes Dorvil holt uns mit anderen Mitarbeitern ab. Wir fahren nach Maissade und Port-au-Ciel. Dass ein Geländewagen ein Muss ist, wird schnell deutlich. Die Buschstrassen haben tiefe Schlaglöcher und Rinnen. Mehrmals kreuzt die 'Strasse' einen Fluss, den man durchfährt. Wenige Meter daneben waschen Leute ihre Wäsche.

In Port-au-Ciel wohnen wir der heutigen FD-Lebensmittelverteilaktion bei für Flüchtlinge aus Port-au-Prince und ihre Gastfamilien. Die Abgabe ist sehr gut organisiert, alles läuft geordnet ab. Dabei sprechen wir mit Erdbeben-Opfern und hören viele traurige Geschichten. Gespräch mit dem Verteilkomitee aus Port-au-Ciel. Am Abend folgt ein open-air Gottesdienst vor unserer Schule, umrahmt von vielen haitianischen Liedern. Zwei junge Männer bezeugen öffentlich, dass sie fortan mit Jesus Christus leben wollen. 


Freitag, 19. Februar:

Wir besuchen die vom Erdbeben stark betroffenen Quartiere in Petion-Ville und Port-au-Prince. Wir gehen über Trümmerfelder, sprechen mit solchen, die alles verloren haben, ermutigen schwer geprüfte Kinder, die in Tränen ausbrechen, und trösten jene, die um getötete Angehörige trauern. Über den Trümmerfeldern herrscht immer noch ein unausstehlicher Leichengeruch. Wir gehen über Ruinen, wo noch Leichen darunter liegen. Die Situation ist bedrückend. Der Chef des Bauwesens des Bürgermeisteramtes begleitet uns und erläutert die schreckliche Zerstörung.

Besuch des Stadtteiles Bourdon und der vom Erdbeben am meisten betroffenen FD-Schule. In Bourdon sind viele Menschen umgekommen. Wir wissen immer noch nicht, wieviele Opfer unter unseren Schulkindern und deren Angehörigen zu beklagen sind. Wir treffen verzweifelte Schulkinder, besuchen vom Schrecken geprägte Quartierbewohner, die ratlos zwischen den Trümmern ihrer Häuser stehen.

Anschliessend besuchen wir mit der stellvertretenden Bürgermeisterin die Schweizer Botschaft, werden vom Schweizer Projektverantwortlichen vor Ort über die Hilfe der DEZA informiert und wir informieren über unsere Projekte. Anschliessend ein weiteres längeres Gespräch mit der Bürgermeisterin, in welchem wir Hilfsmöglichkeiten besprechen. Weitere persönliche Begegnungen mit der stark mitgenommenen Bevölkerung. - Ein langer, mühsamer und vom Elend geprägter Tag geht zu Ende.  


Donnerstag, 18. Februar:

Gottesdienst bei der Schule in Marlique, Treffen mit Erdbebenopfern in Petion-Ville und mit den Schulleitern der FD-Schulen in Bourdon und Marlique. Eine Lehrerin wurde verletzt zwischen Toten geborgen, eine andere verlor ihre Geschwister, mehrere Lehrer verloren ihre Häuser und sind auch obdachlos. Wir leisten Hilfe. Anschliessend Treffen mit der Bürgermeisterin von Petion-Ville, mit den Vororten 1 Mio. Einwohner. Wir besprechen weitere Hilfsaktionen.


Mittwoch, 17. Februar:

Von einem kleinen Flughafen ausserhalb der Stadt geht es mit einer regionalen Fluggesellschaft weiter nach Port-au-Prince. Der Abflug verschiebt sich. Schliesslich werden wir zu einem Flugzeug mit 8 Plätzen geführt. Mit allen Passagieren und dem Gepäck ist dieses alte Flugzeug übervoll. Die Türe wird mit einem kleinen Riegel von innen geschlossen. Nach einem etwas abenteuerlichen Flug landen wir als einziges Flugzeug auf dem sonst noch geschlossenen Flughafen von Port-au-Prince und werden von US-Soldaten eingewiesen.

Schon aus der Luft waren die Zeltstädte und zerstörte Häuser zu sehen. Auf der Fahrt durch die Stadt bekommen wir einen weiteren Eindruck vom grossen Ausmass der schrecklichen Zerstörung. Unsere Mitarbeiter fahren uns nach Petion-Ville. Die Strassen gehen steil aufwärts und sind viel schlechter als unsere Feldwege. Wir kommen teilweise nur im Schritttempo vorwärts.

Wir freuen uns, dass unsere Schule in Marlique noch steht. Das Nachbarhaus stürtzte ein, 5 Menschen starben. Erste Gespräche mit Überlebenden: Ein Mädchen verlor ihren Vater, eine Familie ihre Mutter. Obdachlose haben in unserer Schule Unterschlupf gefunden. Mehrstündiges Gespräch mit den Mitarbeitern zur Frage, wie wir noch mehr helfen können.

Die Regenzeit hat begonnen. Es regnet die ganze Nacht. Wir schlafen im Trockenen - viele in Port-au-Prince aber nicht.


Dienstag, 16. Februar:

Weil der Flughafen in Port-au-Prince immer noch geschlossen ist, fliegen wir nach Santo Domingo. Freunde haben die Abholung am Flughafen und die Übernachtung bei einer Familie organisiert.


Montag, 15. Februar:

Der Flughafen in Port-au-Prince wird erst zehn Tage später als geplant wieder eröffnet. Der geplante Flug nach Port-au-Prince von Pfr. Samuel Schmid wurde von der Fluggesellschaft annulliert. Über verschiedene Umwege kann die Reise aber dennoch stattfinden: mit einem Flug nach Santo Domingo (Dominikanische Republik) und einem weiteren Flug einer regionalen Fluggesellschaft, welche Port-au-Prince anfliegen kann. Innert weniger Stunden hat sich die ganze Reiseplanung verändert.

 
Mittwoch, 10. Februar:

Die Opferzahl des Erdbebens steigt nach wie vor an. Die haitianische Regierung spricht heute von 230'000 bestätigten Toten.


Dienstag, 9. Februar:les_gens_qui_sont_vennues_de_port_au_prince.jpg

Vom 16. - 25. Februar wird Pfr. Samuel Schmid, Co-Leiter von Freundes-Dienst International, ins Katastrophengebiet nach Port-au-Prince reisen und auch die Flüchtlingsversorgung und Schule in Port-au-Ciel besuchen. In direktem Kontakt mit den verantwortlichen Mitarbeitern in Port-au-Prince und Port-au-Ciel wird ein sehr ausgefülltes und anspruchsvolles Programm geplant. In kurzer Zeit soll der grösstmögliche Nutzen für die Bevölkerung und unsere Hilfsaktionen erreicht werden. Damit auch diese neu auf dem Land angekommenen Flüchtlinge aus Port-au-Prince eine Zukunft und Perspektive haben.

 

 

 

 

 

Rückblick auf die Ereignisse seit dem 12. Januar 2010

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